„71/72“ ist Fußballbuch des Jahres 2021 | Verlag Die Werkstatt Direkt zum Inhalt
news vom 21.10.2021

„71/72“ ist Fußballbuch des Jahres 2021

Dietrich Schulze-Marmeling, Foto: Johannes Hölker

Die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur hat in diesem Jahr „71/72. Die Saison der Träumer“ von Autor Bernd-M. Beyer aus dem Verlag Die Werkstatt zum besten Fußballbuch des Jahres gekürt.

„Als Bernd Beyer uns im Verlag Die Werkstatt das erste Mal von der Idee zu diesem Buch erzählte, waren wir sofort begeistert: ein Buch, das die Ereignisse der Fußballsaison 1971/72 in den gesellschaftspolitischen Kontext einordnet und klar macht, dass Sport, Gesellschaft und Politik sich in einem gemeinsamen Spannungsfeld voller Wechselwirkungen befinden – das passt perfekt zum Verlag Die Werkstatt“, sagt Verlagsleiterin Dr. Nadja Kneissler zur Auszeichnung.

Bernd-M. Beyer 71/72
Autor Bernd-M. Beyer

Höchst erfreut zeigte sich auch Autor Bernd-M. Beyer, der bereits 2017 für seine Biografie über Helmut Schön, den deutschen Weltmeistertrainer von 1974, mit dem renommierten Kulturpreis ausgezeichnet worden ist: „Gerade in den vergangenen zwölf Monaten sind einige hervorragende Fußballbücher erschienen, die von der Jury der Akademie zu Recht nominiert worden sind. Dass trotz dieser starken Konkurrenz mein Buch gewählt worden ist, freut mich natürlich besonders. Auch für den Verlag ist es eine große Anerkennung, denn seit 2006 wurde nun zum fünften Mal ein Buch aus dem Werkstatt-Programm geehrt - jedes dritte "Fußballbuch des Jahres" war also ein Werkstatt-Buch.“

Das Fußballbuch des Jahres 2021 „71/72. Die Saison der Träumer“ berichtet über die Zeit, als der Bundesligaskandal das Land erschüttert, als die Nationalelf um Beckenbauer und Netzer Zauberfußball im Wembley-Stadion spielt und Europa-meister wird, Willy Brandt das Misstrauensvotum übersteht, die Rote Armee Fraktion Deutschland in Atem hält und als die Band Ton Steine Scherben den Sound für Aufbruch und Protest liefert. Diese und viele weitere Ereignisse bettet der Autor elegant in den Kontext ihrer Zeit ein. Nie kamen sich Fußball und Gesellschaft so nahe wie in diesem außergewöhnlichen Buch.

Zu den insgesamt elf Büchern auf der diesjährigen Shortlist zum Fußballbuch des Jahres 2021 zählt auch noch ein weiterer Titel aus dem Verlag Die Werkstatt. Die bewegende Biografie „Erwin Kostedde. Deutschlands erster schwarzer Nationalspieler“ von Autor Alexander Heflik.

Fußballbuch des JahresDie Auszeichnung „Fußballbuch des Jahres 2021“ ist mit einem Preisgeld von 5000 Euro dotiert. Am 29. Oktober findet im Rahmen einer Gala in der Nürnberger Tafelhalle die Preisverleihung statt.

Weitere Informationen zur Preisverleihung sowie zu allen nominierten Fußballbüchern des Jahres gibt es unter https://www.fussball-kultur.org/fussball-kulturpreis/fussballbuch.

 

Aus der Begründung von Akademie-Jurorin Alina Schwermer (freie Journalistin, u.a. taz):

„Es ist ein großes Qualitätsmerkmal für ein Buch über Fußballgeschichte und Zeitgeschichte, wenn man, ohne dabei gewesen zu sein, plötzlich fühlt, als sei man dort. Bernd-M. Beyer, der in „71/72 – Die Saison der Träumer“ viel mehr erzählt als nur Fußball, entwirft ein differenziertes, dichtes Panorama der Bundesrepublik der frühen Siebziger Jahre. Von Politik und Musik, Fühlen und Denken, Aufbruch und Verharren, und das funktioniert ein bisschen so, wie wenn man die ganze Fußballsaison der Männer-Bundesliga im Stadion besuchen würde, und auf dem Weg läuft man zwangsläufig durch die Städte und sieht das Leben, die Menschen, die Demos, Subkultur, Konservative und RAF-Plakate, Gastarbeiter*innen. (…)

Zusammengehalten wird „Saison der Träumer“ von zwei großen und tragischen Träumern und Künstlern, Rio Reiser und Stan Libuda, die einander nie begegneten. Ab und an begegnen einander dafür andere Vertreter der Welten, dann trifft Paul Breitner die „Scherben“ oder Franz Beckenbauer spricht über Willy Brandt. Aber Letztlich stehen sie ganz bewusst lose nebeneinander; dieses wunderbare Buch will mehr eine Stimmung wiedergeben als ein allzu selbstsicheres Fazit liefern. Es ermutigt damit auch zum Denken. Wie ein Fußweg zum Stadion.“