» Buch Julius Hirsch. Nationalspieler. Ermordet

Buch Julius Hirsch. Nationalspieler. Ermordet

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Julius Hirsch. Nationalspieler. Ermordet

Biografie eines jüdischen Fußballers

  • 352 Seiten
  • 13,9 x 21,2 cm
  • Hardcover
  • Fotos
ISBN: 978-3-89533-858-8

1. Auflage 2012

Julius Hirsch galt als einer der besten Stürmer seiner Zeit; er war deutscher Nationalspieler und Olympia-Teilnehmer. Als erstem Fußballer gelang es ihm, mit zwei Vereinen Deutscher Meister zu werden: 1910 mit dem Karlsruher FV und 1914 mit der SpVgg Fürth. Aber: Hirsch war Jude. Nach der Machtübernahme der Nazis wurde er verfolgt und diskriminiert. 1943 wurde das einstige Fußballidol im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet. Hirschs Schicksal wurde auch in der Nachkriegszeit noch lange verschwiegen. Erst nach vielen Jahrzehnten begannen unabhängige Sporthistoriker damit, sich seiner Person ausführlicher zu erinnern. Seit 2005 vergibt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den »Julius-Hirsch-Preis«, laut Süddeutscher Zeitung eine der renommiertesten Auszeichnungen im Fußballsport.
Nach langjährigen Recherchen, auch in internationalen Archiven, legt Werner Skrentny nun eine facettenreiche Biografie von Julius Hirsch vor, die seinen Leistungen und seinem Andenken gerecht wird.

"Die vorliegende Biografie ist vielleicht die ausführlichste, die je einem der jüdischen Opfer im Sport gewidmet wurde. Sie zeichnet detailreich nach, wie der Rassenwahn der Nazis und die Gleichgültigkeit von Millionen Mitläufern einen gefeierten Nationalstürmer, einen ehrbaren Karlsruher Kaufmann, den deutschen Bürger Julius Hirsch und seine Familie demütigt, erniedrigt und ihn schließlich ermordet. Dieses Buch ist ein Denkmal für den Menschen Julius Hirsch und ein Mahnmal für die Zukunft." (aus dem Vorwort von Dr. Theo Zwanziger)

Inhaltsverzeichnis

Vorwort
Dr. Theo Zwanziger … 9

Vorwort
Andreas Hirsch … 11

Prolog
Karlsruhe, 1. März 1943 … 13

Kapitel 1
Vom Land in die Stadt \\\ Liberales Baden \\\ Geburtsort Nervenheilanstalt 
Illenau \\\ „Dem l. Gott danken“ … 15

Kapitel 2
„Karlsruhe, Deutschlands Fußballmetropole“ \\\ Sportpresse-Anfänge \\\ 
Hirsch erlebt Oxford, einen Zuschauerrekord und schließt Freundschaft 
mit Gottfried Fuchs … 21

Exkurs I
Der Karlsruher FV im Jahr 2011: C-Klasse auf dem Nebenplatz \\\ 
Stadion-Überreste \\\ „Prinz Berthold“, leerstehend … 34

Kapitel 3
1909: „Und dann kam meine Entdeckung…“ \\\ Und Town-ley sagt: 
„Dieser Linksaußen spielt jetzt immer!“ … 39

Kapitel 4
1910: Der KFV wird endlich Meister, mit „Junior“ Hirsch und „Bill“ Townley \\\ Viermal Karlsruhe gegen Karlsruhe \\\ In die USA, über den Atlantik? … 43

Kapitel 5
In der Nationalmannschaft \\\ Acht Mann sind keine Elf \\\ Hirsch ist der 
erste viermalige Länderspiel-Torschütze. … 58

Kapitel 6
Frühe Fußballheroen \\\ Der Krieg als Karriereende \\\ Der FIFA-Mann \\\ 
Und einer wurde Bürgermeister … 71

Kapitel 7
Der Kronprinzenpokal, teils ungeliebt \\\ Schock auf dem „Zabo“ \\\ 
Hirschs Debüt 1911 und sein spätes Comeback 1923 … 79

Kapitel 8
„Karlsruhe wird Deutscher Meister“ \\\ 1911/12: Das zweite Endspiel \\\ 
Der Mittelstürmer als „Statist“ … 86

Kapitel 9
Olympische Spiele 1912 Stockholm \\\ Eine DFB-Premiere \\\ 
„Unvergesslich“ für Junior Hirsch \\\ Der Torrekord von Fuchs … 91

Kapitel 10
Die Fürther Jahre I \\\ Ein Trainer-Brief \\\ Die Spieler-Rebellion \\\ 
Jüdisches Umfeld \\\ „Golden Goal“ … 104

Exkurs II
An den Kriegerdenkmälern \\\ Stahlhelme als Grabschmuck \\\ 
„Sehr national gesinnt“ … 125

Kapitel 11
Der Erste Weltkrieg: „Und dann feste drauf!“ \\\ Der Tod des Leopold Hirsch \\\ Der höchstdekorierte Nationalspieler? … 130

Kapitel 12
Fürth II \\\ Chaotisches Franken-Derby \\\ Vergessliche Funktionäre … 139

Kapitel 13
Rückkehr nach Karlsruhe \\\ „Wettspielball Marke Hirsch“ \\\ Ein Fabrikant 
fährt „Wanderer“ \\\ „Unverwüstlich“ im Fußball \\\ Der Konkurs … 142

Kapitel 14
Glückwünsche zur „Barmizwah“ \\\ „Keine fromme Familie“ \\\ 
„Nach den zehn Geboten leben“ … 155

Kapitel 15
Ein Mann liest Zeitung \\\ Der Austritt \\\ „Zurückgetreten…“ \\\ 
Wenige Zeilen vom DFB \\\ Ausnahmen: Die Freunde beim KFV … 157

Kapitel 16
Ein Trainer-Jahr im Elsass \\\ „Deutscher Gruß“ in Frankreich \\\ 
Die SG SS Straßburg … 172

Kapitel 17
Die einzige Alternative: Der jüdische Sport \\\ Sportbund Schild und 
Makkabi \\\ Ein Vortrag \\\ Mit 42 Jahren wieder aktiv … 179

Exkurs III
„Wilhelmshöhe“, Treff der Fußball-Prominenz \\\ Ein Alibi-Trainingslager 
vor Karlsruhes Toren … 183

Kapitel 18
Der reisende Vertreter \\\ In der Schweiz \\\ Opfer der „Arisierung“ \\\ 
Ein tadelloses Zeugnis \\\ Keine Antwort aus Zürich … 188

Kapitel 19
Letztes Wiedersehen in Paris \\\ Selbstmordversuch \\\ Die Anstalten … 193

Kapitel 20
„Da draußen, wo die Ratten leben.“ \\\ „Frl. Julla Sara Hirsch“ \\\ 
Ein Angebot zur Flucht … 203

Kapitel 21
Die Scheidung \\\ Das sogenannte „Judenhaus“ \\\ Die Taufen … 213

Kapitel 22
Die Deportation von Julius Hirsch \\\ Eine Postkarte aus Dortmund \\\ 
Das Eingangsbuch des KZ Auschwitz-Birkenau … 222

Exkurs IV
Gottfried Fuchs auf dem Weg ins Exil \\\ Verstoßen vom Tennis-Klub \\\ 
Schweizerische Unkenntnis \\\ Begegnung im Hotel-Foyer … 226

Kapitel 23
Die letzte Deportation aus Karlsruhe \\\ 17 Menschen werden nach 
Theresienstadt gebracht \\\ Fußball im KZ … 237

Kapitel 24
Die Toten \\\ Ein Denkmal in der Dordogne \\\ Das letzte Bauwerk \\\ 
Berliner „Häuserkampf“ \\\ Viele Lügen … 242

Kapitel 25
Die Wendungen des Joseph Michler \\\ Die Bilder, die im Album fehlen \\\ 
Ein redaktioneller Faux-Pas 1942 … 252

Kapitel 26
Neubeginn 1945? \\\ Ein sogenannter Halbjude als Vorsitzender \\\ 
Klassenerhalt dank US-Behörden \\\ Vergessene Juden \\\ Späte Erinnerung … 259

Kapitel 27
„Sofort Nachricht geben“: die Suche nach Julius Hirsch \\\ Zum Tag der 
Kapitulation für tot erklärt \\\ Eine Postkarte als Beweisstück … 263

Exkurs V
Fußballgeschichte im Keller \\\ Zeitzeuge „Kaddel“ Ehrmann \\\ 
Ein SS-Mann mit Pseudonym … 267

Kapitel 28
Was wurde aus den Ausgeschlossenen von 1933? \\\ Der DFB entsteht wieder: 
Einheit – und Vergesslichkeit \\\ „Jud Süß“-Regisseur „auf Schalke“ … 270

Exkurs VI
Olympiapark München 1971 \\\ Der Helene-Mayer-Ring – warum? \\\ 
Zwei Antifaschisten \\\ „Hall of Fame“-Probleme … 276

Exkurs VII
Ein Briefwechsel mit Herberger \\\ Der DFB lädt einen Emigranten 
nicht ein \\\ Tod nach dem Schneesturm … 281

Kapitel 29
„Gestorben 1939/45 im Getto“ \\\ Schwierige DFB-Geschichtsschreibung \\\ 
Eine Walter-Jens-Rede \\\ 100 Jahre DFB und ein Raum für Julius Hirsch … 294

Kapitel 30
Die erste Ehrung nach 1945 \\\ Widerstände im Ortschafts- und 
Gemeinderat \\\ Einweihung der Julius-Hirsch-Halle … 304

Exkurs VIII
Ein Besuch in Israel \\\ „The International Jewish Sports Hall of Fame“ \\\ 
Unüberbrückbarer Atlantik? … 309

Kapitel 31
„Juller“ Hirsch, der Vergessenheit entrissen \\\ Dr. Zwanzigers Verdienste \\\ 
Drei Ausstellungen, der Stolperstein, ein Baum auf dem Berg Karmel und 
ein Filmausschnitt … 311

Exkurs IX
Das Havemann-DFB-Buch: Waren die Juden selber schuld? \\\ 
Ein antisemitischer Zeitzeuge im Berliner „12 Uhr Blatt“ \\\ 
Rudolf Hirsch nimmt Stellung … 324

Kapitel 32
Der Julius-Hirsch-Preis des DFB \\\ „Lehre aus der Geschichte und konkretes Umsetzen.“ \\\ Vom FC Bayern München bis Wiesbaden. … 326

Nachsatz … 335

Anhang
Zeittafel Julius Hirsch … 336
Fußballstatistik zu Julius Hirsch und Gottfried Fuchs … 339
Quellen und Literatur … 344
Dank … 349
Der Autor / Fotonachweis … 352

Rezensionen

Eine grandiose Biografie.
Deutschland-Radio

Meisterhafte Biografie mit emotionaler Wucht.
Der Sportjournalist

Eine faktenreiche Geschichte des deutschen Fußballs.
Neue Zürcher Zeitung

Doch wer war Julius Hirsch? Die von Walter Skrentny sorgsam recherchierte, detailreich geschriebene Biografie gibt die Antwort. Mit dem Buch nahm das große Vergessen in den 1990er Jahren ein Ende.
kicker

Späte Würdigung. ... Durch jahrelange Recherche in Archiven und Bibliotheken sowie Gesprächen mit den Nachkommen gelingt es Skrentny, Hirschs Leben nahezu lückenlos zu dokumentieren.
Jüdische Allgemeine

Buch der Woche. ... Es gibt nicht viele Bücher, die sich scheinbar vorrangig an ein Fußball- oder Sportpublikum richten und in ähnlich eindrucksvoller Weise Nachhilfeunterricht in deutscher Geschichte leisten, wie das vorliegende zu Julius Hirsch. ... Seit rund 20 Jahren arbeitet Skrentny an diesem Thema, entstanden ist eine mitreißend bewegende Schilderung in einer Detaildichte, die ihresgleichen sucht.
Herbert Fischer-Solms, Deutschlandfunk

Auch Julius Hirsch hat nun sein spätes „Denkmal“. ... Herausgekommen ist ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswertes und interessantes Buch. ... Die Biografie von Skrentny ist so umfassend wie kein Werk zuvor. ... Skrentny öffnet dem Leser nicht nur einen ungeschminkten Blick auf das zu kurze Leben Hirschs, sondern nimmt einen auch mit auf eine Reise durch die Anfänge des Fußballs vor, zwischen und während der Weltkriege.
Badische Neueste Nachrichten

Skrentny schildert detailreich die Stationen des sportlichen wie privaten Lebens des Stürmers. Quellenstudien versetzten den Autor in die Lage, ein umfassendes Bild zu zeichnen. Nicht nur Fußballgeschichte, vor allem ein Stück Zeitgeschichte aus dem finstersten Kapitel der deutschen Historie.
"Kleeblatt-Magazin" der SpVgg Greuther Fürth

Der Autor hat sich in jahrelanger akribischer Arbeit auf die Spuren von Julius Hirsch begeben. Auch hat er unzählige bisher unbekannte Dokumente aus Hirschs Karriere und der Zeit danach zusammengetragen. Parallel zeichnet er erstmals das Leben des davongekommenen Nationalspielers Gottfried Fuchs nach.
ka-news-Buch-Tipp

Das Buch des Journalisten und Sporthistorikers Werner Skrentny ist weit mehr als die „Biografie eines jüdischen Fußballers“, er vermittelt einen detailgesättigten Einblick in die frühe deutsche Fußballgeschichte.
Klappe Auf, Karlsruher Kulturmagazin

Eindrücklich und gleichzeitig beklemmend.
Westfälischer Anzeiger

Eine glänzende Biografie. ... Skrentny beschreibt überaus kenntnisreich die Frühgeschichte des deutschen Fußballs.
Saarbrücker Zeitung

Jahrzehnte verschwieg der deutsche Fußball das Schicksal des jüdischen Internationalen Julius Hirsch, der 1943 in Auschwitz ermordet wurde. Erst 1992 erinnerte der Hamburger Autor Werner Skrentny an Hirsch. Nun hat er eine grandiose Biographie vorgelegt.
Der Brief zählt zu den erschütternsten Dokumenten der deutschen Fußballgeschichte. Julius Hirsch, der ehemalige Internationale vom Karlsruher FV, Deutscher Meister 1910 und 1914, hatte am 10. April 1933 in der Zeitung Sportbericht gelesen, dass jüdische Sportler aus rassistischen Gründen ausgeschlossen werden sollten. Hirsch aber kam diesem Ausschluss durch seinen Rücktritt zuvor. "Nicht unerwähnt möchte ich aber lassen, dass es in dem heute so gehassten Prügelkinde der deutschen Nation auch anständige Menschen und vielleicht noch viel mehr national denkende und auch durch die 'Tat bewiesene und durch das Herzblut vergossene' deutsche Juden gibt", hieß es seinem Brief, den er noch am gleichen formulierte. Einer seiner Brüder war im Ersten Weltkrieg gefallen, so Hirsch, die zwei anderen Brüder waren wie er mit Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden.

Diese Episode ist eines der zentralen Kapitel in der neuen Biographie von Werner Skrentny. Vor 20 Jahren hat der Hamburger Autor die bewegende Lebensgeschichte von Hirsch erstmals skizziert: die großen Erfolge von Hirsch an der Seite des ebenfalls jüdischen Stürmers Gottfried Fuchs, etwa die Olympiateilnahme 1912; die beschriebene tiefe Zäsur 1933; 1943 die Deportation nach Auschwitz, wo sich seine Spur verlor. Nun füllt Skrentny die Lücken, die sich damals noch auftaten. Herausgekommen ist eine grandiose Biographie, die zugleich die komplizierte Erinnerungsgeschichte des deutschen Fußballs und das Gedächtnis des deutschen Sports vorbildlich reflektiert.

Dazu ist die Figur Hirsch freilich auch prädestiniert: Zählt Hirsch doch im Fußball zu den eindrücklichsten Beispielen der damnatio memoriae, der planmäßigen Auslöschung alles Jüdischen im "Dritten Reich". Als instruktives Beispiel dafür dient Skrentny jenes Erinnerungsalbum des Kicker aus dem Jahre 1939, das alle Internationalen ehren sollte - das aber die beiden jüdischen Fußballer Hirsch und Fuchs aus rassistischen Gründen wegließ. Beschämenderweise wiederholte sich dies, als 1988 ein Reprint des Sammlerobjekts herausgegeben wurde. Ein Mahnmal dafür, dass der Fußball sich seiner Geschichte verpflichtet fühlen sollte.

Erik Eggers, Deutschland-Radio

"Biografie eines jüdischen Fußballers" nennt Werner Skrentny sein neues Buch. Das ist äußerst bescheiden, entwickelt der Lebenslauf von Julius Hirsch, den Skrentny mit großer Hingabe, Detailverliebtheit und Emphase beschreibt, doch eine enorme emotionale Wucht. Skrentny kommt zudem das Verdienst zu, Julius Hirsch der Vergessenheit entrissen zu haben. Der Hamburger Autor beschäftigt sich seit 1992 mit der Vita des Mannes. Fußballgeschichte war damals nicht en vogue, und schon gar nicht bedrückende Geschichten wie die von "Juller" Hirsch. Die seinerzeit vorhandenen Lücken zu schließen, ist dem Autor gelungen, auf eine grandiose und famose Weise, die in Zukunft als Maßstab für derlei Biographien gelten wird. Und doch ist dieses Buch viel mehr als eine bloße Biografie. Es ist zugleich der meisterhafte Versuch, die Erinnerungsgeschichte des deutschen Fußballs und das Gedächtnis des deutschen Sports zu reflektieren.
Der Sportjournalist, Ausgabe Mai 2012

Julius Hirsch war vor hundert Jahren einer der besten Fußballer Deutschlands. Mit seinem Heimatverein Karlsruher FV wurde er 1910 Deutscher Meister, damals war Karlsruhe noch eine wahre Fußball-Hochburg, vier Jahre später schoss er als Stürmer die SpVgg Fürth ebenfalls zum Meistertitel. Er war Nationalspieler und Olympiateilnehmer. Das alles zählte nichts mehr als die Nazis an die Macht kamen. Wegen seiner jüdischen Herkunft wurde das einstige Sportidol diskriminiert, drangsaliert und schließlich 1943 in Ausschwitz-Birkenau ermordet. Das Buch des Journalisten und Sporthistorikers Werner Skrentny ist weit mehr als die „Biografie eines jüdischen Fußballers“, er vermittelt einen detailgesättigten Einblick in die frühe deutsche Fußballgeschichte, in der es stellenweise noch chaotisch zuging, und der KFV unter der Leitung eines englischen Trainers mit Julius Hirsch und Gottfried Fuchs im Sturm Maßstäbe im deutschen Fußball setzte. Skrentny verfolgt auch den späteren Lebensweg von Fuchs, des Rekordtorschützen der Nationalelf (mit zehn Toren gegen Rußland), der gerade noch rechtzeitig nach Kanada emigrieren konnte. 1972 verpasste der DFB, trotz vehementer Fürsprache von Sepp Herberger, die Chance den einzigen noch lebenden jüdischen Nationalmannschaftsveteranen zu einem Länderspiel einzuladen. Zu viele Herren im DFB-Präsidium wollten nicht mit ihrer braunen Vergangenheit konfrontiert werden. Skrentnys materialreiches Buch kommt wie viele andere Bücher über den Fußball unterm Hakenkreuz recht spät, zu spät, um noch irgendeinen von den braunen alten Drecksäcken, die nach dem Krieg munter weitermachten, zu berühren. Die sind längst tot, aber das kann man nicht den Verfassern vorwerfen, den Hinterbliebenen ist es gewiss mehr als ein Trost, den einst Verfemten so gewürdigt zu sehen. Hirschs Sohn Heino hat das Karlsruher Busunternehmen Hirsch-Reisen aufgebaut, das von seinem Sohn weitergeführt wird. Hirschs Familie hat dem DFB die Einwilligung zu Stiftung eines Preises mit den Namen von Julius Hirsch gegeben, der an Menschen und Gruppen vergeben wird, die sich im Fußball gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus engagieren.
Klappe Auf, Karlsruher Kulturmagazin

Der Autor Werner Skrentny hat sich in jahrelanger akribischer Arbeit auf die Spuren von Julius Hirsch begeben. Er war an den Orten im In- und Ausland, wo Hirsch Fußball spielte, wo er lebte und arbeitete und an denen er in der Nazi-Zeit unter der gesellschaftlichen Ausgrenzung litt. Er sprach mit den wenigen noch lebenden Zeitzeugen und mit den Kindern und Nachfahren von Julius Hirsch. Auch hat er unzählige bisher unbekannte Dokumente aus Hirschs Karriere und der Zeit danach zusammengetragen. Beeindruckend berichtet er, wie Hirsch in der Nazizeit versuchte, sich und seiner Familie trotz zunehmender wirtschaftlicher Bedrängnis den Lebensunterhalt zu sichern. Er berichtet aber auch von denen, die der Familie Hirsch Unterstützung zukommen ließen. Bewegend die 1940 aufgenommenen Bilder des Vaters Julius Hirsch mit Tochter und Sohn. Der gutbürgerliche Eindruck täuscht, der heutige Betrachter weiß um das Leid dieser Jahre. Parallel zeichnet er erstmals das Leben des davongekommenen Gottfried Fuchs nach. 1972 wollte ihn der ehemalige Bundestrainer Sepp Herberger als Gast des DFB zu einem Länderspiel einladen. Der Verband lehnte dies ab um keinen "Präzedenzfall" zu schaffen. Im abschließenden Teil des Buches widmet sich Skrentny ausführlich der nur langsam wachsenden offiziellen Erinnerung an den großen Fußballer Julius Hirsch, die dann in den seit 2007 vergebenen Julius-Hirsch-Preis mündete. Dieser wird besonders für Aktivitäten verliehen, die sich gegen Ausgrenzung gesellschaftlicher Gruppen wenden.
Martin Kuld, ka-news

Der Wahl-Hamburger Werner Skrentny leistet mit seiner gerade erschienenen Hirsch-Biographie „Julius Hirsch. Nationalspieler. Ermordet. Biografie eines jüdischen Fußballers“ einen wesentlichen Beitrag, den Namenspatron des Julius-Hirsch-Preises nicht wieder in Vergessenheit geraten zu lassen. Einprägsam schildert der Autor am historischen Beispiel, wohin es führt, wenn Toleranz und Menschenwürde außer Kraft gesetzt werden. Dann verlieren alsbald alle.
Buchautor Werner Skrentny „verschweigt nicht, dass es auch im Sport mehrere Generationen gedauert hat, bis dieser sich ernsthaft seinem Teil der Verantwortung für das Geschehene gestellt hat“, schreibt der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger in seinem Vorwort. Auch das ist für Zwanziger „Teil der Geschichte, Teil des Erbes, mit dem wir leben und aus dem wir lernen müssen“.
Leipziger Internetzeitung

Das letzte Lebenszeichen von Julius Hirsch ist eine Postkarte, abgestempelt in Dortmund. «Meine Lieben! Bin gut gelandet, es geht gut. Komme nach Oberschlesien, noch in Deutschland. Herzliche Grüße und Küsse euer Juller», schrieb der jüdische Kaufmann an
seine Familien in Karlsruhe. Dort musste er im März 1943 einen Zug besteigen, der ihn, so teilt er seinen Angehörigen mit, zu einem «Arbeitseinsatz» bringe. Vermutlich unmittelbar nach Ankunft des Transports in Auschwitz-Birkenau wurde Julius Hirsch ermordet.
Der Süddeutsche, geboren 1892, gilt als einer der besten Stürmer seiner Zeit. 1910 wird er mit dem Karlsruher FV, 1914 mit der Spielvereinigung Fürth deutscher Meister. Für das Deutsche Reich spielt Hirsch in der Nationalmannschaft und an den Olympischen Spielen; im Ersten Weltkrieg dient er in der Armee. Das Familienunternehmen in der Textilbranche floriert, der Ehe mit Ellen Hauser entstammen zwei Kinder. Fußball betreibt Hirsch, wie damals üblich, neben und nach der Arbeit. Nur Wochen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wird bekannt, «dass die Juden aus den Sportvereinen zu entfernen seien».
Der deutsche Publizist Werner Skrentny zeichnet die Stationen einer menschlichen Tragödie nach: wirtschaftlicher Abstieg, Scheidung der Ehe – die christlich getaufte Ehefrau versuchte dadurch die Kinder zu retten –, Zwangsarbeit.
Mit dieser Schilderung verwoben ist eine faktenreiche Geschichte des deutschen Fußballs; gleichzeitig streicht Skrentny den bedeutenden Anteil hervor, den jüdische Sportler daran hatten. Dieser Anteil wurde auch in der Nachkriegszeit lange verschwiegen. Erst seit Theo Zwanziger 2004 in das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes eintrat, wird die aktive Rolle, die der Verband bei der Diskriminierung jüdischer Fußballer spielte, aufgearbeitet. Seit 2005 vergibt der DFB den renommierten «Julius- Hirsch-Preis» an Personen und Organisationen, die sich für Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit einsetzen.
Peter Durtschi in NZZ, Neue Zürcher Zeitung

Die Biografie besticht durch ihre Detailverliebtheit. Zahlreiche Exkurse, wie z.B. über den Juden Gottfried Fuchs, der bis heute Rekord-Torjäger der Nationalelf ist und den Nazis durch Emigration nach Kanada entkam, untermauern die Ereignisse dieser Zeit. ... Skrentny schafft es zudem, mit seinem Werk die Bedeutung der historischen Ereignisse für den DFB einzuordnen. ... Eindrücklich und gleichzeitig beklemmend.
Westfälischer Anzeiger

Vieles liest man – mit einiger Fassungslosigkeit – in diesem Buch.
Karlsruher Sport- und Freizeit-Magazin

Skrentny gelingt ein facettenreicher Blick auf die Person Julius Hirsch und auf die Zeitumstände – insbesondere die Drangsalierungen, unter denen jüdische Sport-Prominente in der NS-Zeit zu leiden hatten. ... In der Nachkriegszeit wurde Hirschs Schicksal lange verschwiegen. Es ist das Verdienst des Autors, hier Abhilfe geschaffen zu haben.
Bremervörder Kreiszeitung

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