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Buch 3:2 für Deutschland

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3:2 für Deutschland

Die Gründung der Bundesrepublik im Wankdorf-Stadion zu Bern

    • 208 Seiten
    • 13,9 x 21,2 cm
    • Hardcover
    • Fotos
    ISBN: 978-3-89533-444-3
    Preis: 14,90€
    1. Auflage 2004

    Das „Wunder von Bern“, das sich im Juli 2004 zum 50. Mal jährte, wurde vor allem in den deutschen Medien stark beachtet. Über die mythenreiche Erinnerung an den ersten Weltmeistertitel einer deutschen Nationalmannschaft drohte die reale Bedeutung dieses sportlichen Ereignisses zu verblassen.
    Arthur Heinrich seziert das damalige Geschehen mit dem Blick des fußballkundigen Politikwissenschaftlers. Er verfolgt den sportlichen Weg des Herberger-Teams durch die Nachkriegszeit bis zum WM-Finale 1954. Zugleich prüft er an zahlreichen Beispielen die Reaktionen der deutschen Öffentlichkeit, in der sich Sehnsüchte und Euphorie ebenso äußerten wie Entsorgungswünsche zur lästigen Vergangenheit. Sein Resümee: Es gab Versuche, den Sieg von Bern nationalistisch auszudeuten. Doch das Bemerkenswerte an diesem Sportereignis ist sein Beitrag zur Herausbildung einer zivilen Identität für die verunsicherte bundesrepublikanische Gesellschaft. Dass die Deutschen nun Fußballer statt Soldaten zu ihren Idolen erhoben, sah auch das skeptische Ausland als Fortschritt und Glücksfall.

    Inhaltsverzeichnis

    Wunder
    Annäherung an eine Weltmeisterschaft
    Vorspiele
    Zwischen Provinz und Weltklasse
    Ernstfälle
    Der mühselige Weg in die Schweiz
    Einwurf I
    Familienfeste gegen die Saar
    Außenseiter
    Die FIFA als Gegner
    Aufstiegsrunde
    Fünf Spiele ins Glück
    Einwurf II
    Schiebung?
    Finale
    Vor und nach der 84. Spielminute
    Einwurf III
    Zweiundzwanzigmal 3:2
    Wunderkinderwelten
    Westdeutsche Befindlichkeiten
    Vergangenheiten
    DFB, Fußballer und der Nationalsozialismus
    Ausnahmezustände
    Ein Land vor der Rückkehr in die Welt
    Mißklänge
    Die erste Strophe des Deutschlandliedes
    Spielverderber
    Vom Umgang mit Kritik
    Grenzgänger
    Die Resistenz alter Denkmuster
    Einwurf IV
    Die Biographien des Peter Joseph Bauwens
    Politik
    Vertane Chancen
    Sprachregelungen
    Die deutschdemokratischen Verlierer von Bern
    Kunstgewerbe
    Der 4. Juli als Wiederkehr des Nationalismus
    Impulse
    Der Weltmeisterschaftsgewinn und die Bundesrepublik
    Anmerkungen
    Literatur
    Der Autor

    Rezensionen

    „…Überhaupt fällt auf, dass die besten Bücher zu dem Berner Mythos von Autoren verfasst wurden, die sonst nicht teilhaben am Sportbetrieb – und also auf alte Freundschaften keine Rücksicht nehmen. Dazu zählt auch Heinrichs erneut geglücktes ‚3:2 für Deutschland’, das mit vielen Mythen aufräumt (der Phrase vom ‚Wir-sind-wieder-wer’ fehlt ihm zufolge etwa jegliche historische Authentizität)….“
    Frankfurter Rundschau, 22. April 2004

    „Vorzeitig beendet hatten einige europäische Fernsehsender die Übertragung der WM-Abschlussfeier 1954: Bei der Pokalübergabe stimmten die deutschen Fans das ‚Deutschlandlied’ an, die TV-Anstalten schalteten ab. Welche (Aus-)Wirkungen hatte der Sieg auf die Öffentlichkeit, die noch immer auf der Suche nach einer neuen Identität war? Gut recherchierte Hintergrundinformationen.
    SPORTBILD, 28. April 2004

    „Die Flut an gedruckten und gefilmten Beiträgen zum Jubiläum dieses Mythos ist groß, sie wird in den kommenden Monaten noch zusätzlich anschwellen. Ob in Büchern, auf der Kinoleinwand oder auf CD – überall schießt Helmut Rahn, werden Erinnerungen geweckt, Hintergründe gezeigt. Und auch Gerüchte über immer wieder auftauchende Dopingvorwürfe beleuchtet. Ein Buch von Arthur Heinrich (‚Die Gründung der Bundesrepublik im Wankdorf-Stadion zu Bern’) nimmt den konkretesten Bezug zwischen Sport und Politik.“
    Tages-Anzeiger (Christian Andiel), Zürich, 21. April 2004

    „Dass sich das ‚Wunder von Bern’ gerade zum fünfzigsten Mal jährt, ist Zufall; dass es gerade jetzt so viele ergriffene Sänger und tief schürfende Deuter findet, eher nicht. Das 3:2 über Ungarn, in Filmen und Fernsehdokumentationen gerade wieder vielfach aufgefrischt, gehört nicht nur längst zur bundesdeutschen Mythologie: Es beschwört auch die gute alte Zeit, als die deutschen Tugenden noch etwas galten. Sowohl der Sozialhistoriker Franz-Josef Brüggemeier wie der Politikwissenschaftler Arthur Heinrich warnen freilich vor einer Überinterpretation. ‚Das Wunder von Bern’ stärkte das Selbstbewusstsein der jungen Bundesrepublik, aber der Jubel blieb gedämpft, der Stolz des ‚Wir sind wieder wer’ unpolitisch und vor allem: zivil.
    Dass Sportsmänner – und eben nicht Soldaten – gekämpft und gesiegt hatten, war für Heinrich ein ‚Glücksfall’ der deutschen Geschichte.
    Tages-Anzeiger (Martin Halter), Zürich, 8. Juni 2004

    „Eher politisch nähert sich der fußballkundige Politikwissenschaftler Arthur Heinrich in ‚3:2 für Deutschland’ dem Thema. Der Untertitel ‚Die Gründung der Bundesrepublik im Wankendorf-Stadion zu Bern’ verdeutlicht diesen sportpolitischen Ansatz. Bei Heinrich stehen die nationalistischen Interpretationsansätze durch den personell und moralisch stark belasteten Deutschen Fußball-Bund samt seines damaligen Präsidenten Peco Bauwens im Vordergrund. Heinrichs akribische Archivarbeit dokumentiert sich darüber hinaus in einem seitenlangen und für für detailversessene Fans hochinteressanten Anhang.“
    HNA, 2. Juni 2004

    Das „Wunder von Bern“ – mal anders betrachtet
    „Die sportlichen Gesichtspunkte des Spiels werden glücklicherweise nur am Rande gestreift, dafür gibt es ja nun auch genügend andere Werke – hier sind vor allem die politischen und gesellschaftlichen Begleitumstände das Thema. Dass der Autor Politikwissenschaftler ist, wird sehr schnell deutlich, den das Ereignis ‚Bern’ wird ins politische Gesamtgeschehen jener Tage eingebettet und entsprechend bewertet. Natürlich bekommt auch der DFB, besonders der damalige Präsident Bauwens, sein Fett weg, dessen so genannte ‚Sieg-Heil-Rede’ beim Festbankett in München schon damals hohe Wellen schlug. Aber auch die Politiker, allen voran Bundespräsident Heuss, fanden aus heutiger Sicht durchaus bedenkliche Formulierungen. Es verwundert angesichts dieser Begleitumstände nicht, dass im Stadion bei der Siegerehrung lauthals die erste Strophe der Nationalhymne gesungen wurde.
    Sehr interessant auch die Reaktionen im europäischen Ausland, vor allem in Frankreich und England, aber auch das Erleben der WM in der DDR – besonders die Schwierigkeiten, die damals augenscheinlich noch gewollte Ausgeglichenheit zwischen dem ungarischen Bruderland und den deutschen Landsleuten in der BRD zu wahren.
    Was bleibt als Fazit? Trotz aller unschönen Nebengeräusche wertet der Autor den 4. Juli 1954 als Glücksfall für die Geschichte, denn dieser Erfolg trug dazu bei, eine zivile Identität herauszubilden – nun wurde Fußballern zugejubelt, nicht mehr Soldaten.“
    Der Übersteiger, Nr. 68, 30. Mai 2004

    „Was geschah vor genau einem halben Jahrhundert wirklich, als Fritz Laband und Jupp Posipal die deutsche Elf zum Weltmeister-Titel führten? Wie erlebte Nachkriegsdeutschland und das Ausland das Wunder von Bern? Arthur Heinrich geht allen möglichen Fragen rund um die WM 1954 leidenschaftlich und kenntnisreich nach. Unter anderem untersucht er die Rolle des deutschen Fußballs im Nationalsozialismus. Fast logisch, dass er sich hierbei auch an die Fersen der damaligen HSV-Mannschaftskameraden Tull Harder und Asbjörn ‚Assi’ Halvorsen heftete. Harder war seinerzeit KZ-Aufseher, während der Norweger Halvorsen KZ-Insasse war. Ein trauriges Kapitel deutscher Fußballgeschichte, das aber unbedingt lesenswert ist, um die Umstände des Titelgewinns zu verstehen. Trotzdem: Das Buch ist eher was für einen verregneten Sommertag zu Hause. Nichts für das Freibad.“
    supporters news (HSV), Nr. 39/Mai 2004

    „Heinrichs Werk hebt sich dankenswerter Weise von den anderen Lobhudeleien zum Jahrestag des WM-Gewinns 1954 in Bern ab. Vielmehr versucht der Politologe aus Bonn, die politischen Dimensionen des ersten deutschen WM-Gewinns abzustecken. Dabei untersucht Heinrich anhand von Pressetexten die westdeutschen Befindlichkeiten. War der Sieg gegen Ungarn so etwas wie die späte Wiedergutmachung für Stalingrad, wie Autoren in den letzten Jahren behaupteten? War Rahns Siegtreffer der Startschuss für einen neuen deutschen Nationalismus? Heinrich kann beide Fragen aufgrund seiner präzisen Quellenarbeit verneinen und hilft ganz nebenbei auch, das Bild der elf Freunde von Spiez zu relativieren, die allesamt mit einer höchst professionellen Einstellung zum WM-Turnier fuhren. Wie gewohnt, legt Heinrich eine präzise politische Analyse der Geschehnisse im WM-Jahr 1954 vor. Auch der Fußball kommt nicht zu kurz. Auf knapp 55 Seiten erläutert der Autor den Weg der deutschen Nationalelf von der Qualifikation bis zum Finale von Bern. Erst danach beginnt Heinrich, den Geist der Zeit näher zu beleuchten, indem er beispielsweise den Werdegang von DFB-Präsident Bauwens nachzeichnet oder die Aufnahme des WM-Gewinns in der DDR beschreibt. Insgesamt ein fundiertes Buch, welches mit der 2000er Veröffentlichung des DFB mithalten kann.“
    Notbremse (Hannover 96), Nr. 32/Mai 2004

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